Mit den eigenen Zähnen durchs Leben …

Liebe Patientin, lieber Patient,

Sie haben uns als Ihre betreuende Zahnarztpraxis gewählt. Dies ist ein großer Vertrauensvorschuss. Dafür wollen wir uns bei Ihnen bedanken.

Deswegen möchten wir Ihnen zur Begrüßung unsere Prophylaxebroschüre überreichen. Sie können sie sich hier herunterladen.

Wir wollen versuchen, auf den nächsten Seiten einige Fragen, die für Ihre Mundgesundheit wichtig sind, zu erläutern. Durch viele neue Erkenntnisse hat sich die Zahnmedizin in den letzten Jahren stark verändert. Die Behandlungsphilosophie der Zahnärzte hat sich von der „Reparatur“ von Schäden zu prophylaxeorientierten Behandlungsmethoden hin verschoben.

Die Ursachen von Karies (Zahnfäule) und Parodontitis (Erkrankung des Zahnhalteapparates) sind viel klarer geworden. Karies und Parodontitis sind kein „Schicksal“ mehr. Zahnärzte können heute viel mehr für Ihre Mundgesundheit tun. Davon wollen wir in dieser Broschüre sprechen.

Sind Zahnprobleme Schicksal?

Sehr häufig hören wir von neuen Patienten in unserer Wuppertaler Zahnarztpraxis Sätze wie: „Ich habe sehr schlechte Zähne.“ Oder „meine Mutter hatte auch schlechte Zähne“ oder „ich werde ja bald meine Zähne verlieren“. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass „schlechte Zähne“ Schicksal sind und man im Prinzip nur sehr wenig dagegen tun kann. Viele Patienten haben sich damit abgefunden, lebenslang „schlechte Zähne“ zu haben.

Diese Erkenntnis ist unserer Meinung nach falsch.

Sie erhalten mit dieser Broschüre die nötigen Basisinformationen, die Sie in die Lage versetzen werden, aktiv an der eventuell notwendigen Behandlung teilzunehmen. Das ist auch für uns als Team der Zahnarztpraxis sehr wichtig, damit ein gutes und dauerhaftes Ergebnis am Ende erreicht und erhalten werden kann. Wir brauchen Sie als mitarbeitenden Patienten.

Der Erfolg gibt uns Recht:

Viele langjährige Patienten, die regelmäßig zur Prophylaxe in unsere Wuppertaler Zahnarztpraxis kommen und bei denen die Zahl an Behandlungen auf ein Minimum gesunken ist, können dies bestätigen.

Unsere Kinder sollen es einmal besser haben…

Dieser Satz trifft in der Zahnmedizin mehr als in anderen medizinischen Bereichen zu. Die Generation unserer Großeltern hatte nicht wie wir heute die Möglichkeiten (zum Beispiel Prophylaxe, Kieferorthopädie…), Zähne langfristig gesund zu erhalten. Die moderne Zahnmedizin ist dank neuer Erkenntnisse heute in der Lage, Zähne zu erhalten, die noch vor wenigen Jahren gezogen werden sind. Die gesamte Betrachtungsweise der Zahnerkrankungen hat sich geändert. Sie geht weit über die Zähne hinaus und bezieht den ganzen Menschen mit ein.

Karies? Was ist das eigentlich?

Karies ist eine durch Bakterien hervorgerufene ansteckende Erkrankung, die sehr weit in der Bevölkerung verbreitet ist. Karies wird von Mensch zu Mensch und Zahn zu Zahn durch Bakterien übertragen.

Ein Kind kommt grundsätzlich ohne Kariesbakterien in der Mundhöhle auf die Welt. Würde der Mensch nie essen und nie mit anderen Menschen in Kontakt kommen, wäre er für immer kariesfrei.

Faktoren, welche die Entstehung von Karies begünstigen!

Die Entwicklung von Karies wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  1. Vorhandensein von Kariesbakterien
  2. Zuführung von Zucker in jeglicher Form als Nahrung für die Bakterien
  3. Zeitintervalle, die zwischen Zuckeraufnahme und erneuter Zuckeraufnahme liegen
  4. Speichelmenge und Speichelqualität
  5. Veränderungen in der Lebensführung (zum Beispiel Einnahme von Medikamenten)

Aus diesen Faktoren ergibt sich für jeden Menschen ein unterschiedliches Risiko, an Karies zu erkranken. Außerdem kann sich dieses Risiko im Laufe des Lebens verändern.

Ein typisches Beispiel:

Kariesbakterien sind Mikroorganismen, die unter bestimmten Bedingungen hervorragende Lebensbedingungen finden, sich dadurch stark vermehren und als Stoffwechselprodukt Säure produzieren. Diese Säure ätzt den Zahnschmelz an – im Laufe der Zeit entsteht ein Loch!

In welcher Form auch immer zugeführt, wird Zucker von Kariesbakterien aufgenommen und zu Säure vergoren. Je öfter die Bakterien Zucker zugeführt bekommen, umso stärker wird Säure produziert, umso saurer wird oder bleibt es im Mund – umso stärker sind die Zähne gefährdet.

Der Speichel hat unter anderem die Aufgabe im Mund, entstandene Säuren unschädlich zu machen (zu neutralisieren) und die Bakterienanzahl zu reduzieren. Speichel kann Anfangsdefekte reparieren, wenn er genügend Zeit dazu hat. Sollte zu wenig Speichel vorhanden sein (zum Beispiel auch durch Medikamente), ist das Risiko sehr hoch, an Karies zu erkranken. Ist die Qualität des Speichels schlecht (saurer PH-Wert, geringe Pufferkapazität) entsteht im Mund ein saures Milieu. Dies sind ideale Bedingungen für Kariesbakterien.

Speichel benötigt nach Zuckeraufnahme mindestens zwei Stunden Zeit, um eine erste Zahnbeschädigung wieder rückgängig zu machen.

Tim ist 15 Jahre alt und putzt sich einmal am Tag die Zähne. Seine Ernährung sieht folgendermaßen aus:

7:00 Brötchen mit Nutella, Glas Milch
8:30 Banane
11:00 Dose Fanta
13:00 Nudeln, Fruchtjoghurt, Kakao
14:00 Wasser
16:00 3 Kekse
17:30 Glas Sprite
19:00 Brot mit Käse, Wurst, Glas Wasser
19:30 Fruchtjoghurt
20:00 Zähne werden endlich geputzt

Außer bei dem Wasser, was er zu sich nimmt, erhält er ständig Zuckerimpulse.

  1. Wenn Tim keine Kariesbakterien im Mund hätte, wäre es selbst bei dieser Ernährung unmöglich, dass Karies entsteht.
  2. Wenn Tim Kariesbakterien im Mund hat, werden die ständig mit Zucker gefüttert. Es wird im Mund sehr sauer. Darunter leidet der Zahnschmelz. Der Speichel hat nicht genügend Zeit, zwischen den einzelnen Zuckerimpulsen die Schäden wieder auszugleichen. Es bleibt sauer im Mund, die Katastrophe ist vorprogrammiert.
  3. Wenn jetzt noch hinzukommt, dass Tim zu wenig Speichel produziert, oder der   Speichel eine schlechte Qualität hat, dann sind erste Füllungen und der erste Zahnverlust absehbar.

Wo ist überall Zucker drin?

Seit vielen Jahren wird aus den unterschiedlichsten Gründen (zum Beispiel bei Diabetikern) versucht, Zuckerersatzstoffe zu finden. Zucker gibt es in verschiedenster Form, beispielsweise ganz offensichtlich in: Schokolade, Würfelzucker, Cola, Eis…

Aber es gibt auch sehr viele versteckte Zucker, zum Beispiel in: Bananen, Fruchtsäften, etc. Beispielsweise sind Bananen sehr reich an Stärke – die zunächst kein Zucker ist, von den Bakterien aber zu Zucker verarbeitet werden kann.

Was ist mit Zuckerersatzstoffen?

Leider mussten Zahnärzte feststellen, dass Bakterien „lernfähig“ sind und einige der Zuckerersatzstoffe wie beispielsweise Aspartam spalten können, so dass dann wieder Zucker vorliegt. Wenn also auf einem Kaugummi „Zuckerfrei“ steht, so kann dies zwar sein, aber für Bakterien heißt dies noch lange nicht, dass sie aus dem Zuckerersatzstoff nicht doch Zucker machen können.

Wo ist kein Zucker drin?

Will man ganz sicher gehen, sollte man auf den Zuckerersatzstoff „Xylit“ zurückgreifen – hier kann man sicher sein, dass Bakterien damit nichts anfangen können.

Es gibt mittlerweile viele Lebensmittel und Süßigkeiten, die Xylit enthalten und somit zahnfreundlich sind (im Supermarkt oft mit einem Zahnmännchen gekennzeichnet).

Wie sich aus den oben beschriebenen Punkten ergibt, haben Ihre behandelnden Zahnärzte verschiedene Möglichkeiten, Karies vorzubeugen, oder, wenn sie bereits entstanden ist, sie zu bekämpfen. Vor allem aber wird sichtbar, dass eigentlich jedem möglich ist, Karies erfolgreich zu bekämpfen. Mit regelmäßiger professioneller Hilfe in Ihrer Zahnarztpraxis ist Karies weitestgehend vermeidbar.

Das individuelle Kariesrisiko

Das Risiko an Karies zu erkranken, ist bei jedem Menschen verschieden. Es ist bestimmbar durch einen Speicheltest. Mit diesem Test bestimmen Ihre Zahnärzte die Speichelmenge, der PH-Wert, die Pufferkapazität und die Kariesbakterien.

Damit ihr behandelnder Zahnarzt sich ein genaues Bild machen kann, müssen Sie zusätzlich ein Ernährungstagebuch führen.

Mittels dieser Angaben können wir Ihnen in unserer Wuppertaler Zahnarztpraxis gezielte Empfehlungen geben, wie bei Ihnen Karies verringert oder vermieden werden kann.

Meistens genügen ein paar kleine Tipps oder Änderungen, um die Situation entscheidend zu verbessern.

Änderungen der Lebenssituation (Erkrankungen mit Medikamenteneinnahme etc.) können zu einer starken Veränderung des Kariesrisikos führen (medikamentenbedingte Reduktion der Speichelmenge…).

Sprechen Sie uns dann bitte an, um Schäden vorzubeugen.

Wie können wir Ihnen helfen, die Situation entscheidend zu verbessern?

Im Folgenden sind einige Maßnahmen und Methoden unserer Zahnarztpraxis aufgeführt, die das Kariesrisiko deutlich senken können. Je nach Risikoeinstufung und nach Patient kommen sie zur Anwendung.

Die professionelle Zahnreinigung (PZR)

Sie spielt im Hinblick auf unser Behandlungskonzept eine entscheidende Rolle. Nur mit ihr wird es möglich, die vorhandenen Bakterienanzahlen immer wieder entscheidend zu verringern, Schlupfwinkel von Bakterien festzustellen und dann zu beseitigen.

Es gibt Patienten, bei denen diese wichtige Prophylaxemaßnahme lediglich einmal im Jahr erfolgen muss, genauso wie es Patienten gibt, bei denen alle drei Monate professionell gepflegt werden muss.

Außerdem können unsere Zahnärzte und unser Praxisteam Ihnen auch immer wieder Tipps zur Verbesserung Ihrer Pflegetechnik geben.

Im Einzelnen wird bei der PZR folgendes getan:

  • Anfärben vorhandener Beläge (zum Zeigen evtl. vorhandener Problemzonen)
  • Demonstrieren der besten Pflegetechnik
  • Zahnsteinentfernung (harte Beläge oberhalb vom Zahnfleisch)
  • Entfernung von Konkrementen (harte Beläge unterhalb vom Zahnfleischrand)
  • Airflow („Wegblasen“ von Raucherbelägen)
  • Politur der Zahnoberflächen (auch Zahnersatz)
  • Pflege der Zahnzwischenräume
  • Fluoridierung (Zahnschmelzhärtung) je nach Bedarf

Versiegelung

Dieses Verfahren verwenden Ihre Zahnärzte, um starke Vertiefungen der Zähne zu verschließen. Vor allem jene Furchen in den Backenzähnen, die mit der Zahnbürste nicht erreicht werden können und somit hervorragend als Bakterienschlupfloch geeignet sind. Dies trifft vor allem für Kinder zu. Allerdings gibt es auch Erwachsene, bei denen sich die Versiegelung empfiehlt.

Aus der Verweildauer der Milchbackenzähne im Mund (bis ca. 12 Jahre) ergibt sich die Notwendigkeit, auch diese Milchzähne zu versiegeln. Insbesondere dann, wenn die Kinder Probleme beim Putzen haben.

Der frühzeitige Verlust von Milchbackenzähnen zieht fast immer eine Reihe von kieferorthopädischen Problemen nach sich, die vermeidbar sind.

Fluoridierung

Dies ist die „Abhärtung“ des Zahnschmelzes gegen Säureangriffe mit Fluoridlack. Dieser Lack bietet einen lang anhaltenden Schutz kariesgefährdeter Stellen. Außerdem bietet er einen gewissen Schutz bei überempfindlichen Zahnhälsen.

Medikamentenschienen

Dies sind durchsichtige weiche Plastikträger, die kurzzeitig (abends etwa 5 Minuten) getragen werden (in zeitlichen Intervallen von etwa drei Monaten). Sie werden mit Fluorid- oder Chlorhexidingel beschickt. Sinn dieser Schienen ist es, im Sinne einer Kur die vorhandenen Bakterienanzahlen drastisch zu senken und/oder die Zähne mit einem schmelzhärtenden Fluorgel zu versorgen. Diese Schienen werden je nach Testergebnis des Speicheltests von Zahnärzten empfohlen.

Wie hilft eine systemische Fluoridierung?

Hier gilt grundsätzlich: Die richtige Dosierung ist wichtig! Fluor kommt in unseren Nahrungsmitteln zu wenig vor. Unser Trinkwasser ist nicht fluoridiert, wie zum Beispiel in der Schweiz. Zahnärzte empfehlen, den Kindern Fluor zuzuführen. Die Gabe von Tabletten ist dann sinnvoll, wenn die Kinder nicht zusätzlich ständig fluoridiertes Salz bekommen. Auch sollten Sie darauf achten, dass Ihre Kinder die Zahnpasta nicht „essen“, weil die „so lecker schmeckt“. Auf Fluor zu verzichten ist ganz bestimmt falsch.

Wann sollte Prophylaxe beginnen?

Mit der Familienplanung!

So seltsam sich dies anhört, so sinnvoll ist konsequente Prophylaxe bereits vor der Geburt eines Kindes. Wie wir oben gehört haben, kommen Kinder „keimfrei“ zur Welt. Sie haben die große Chance kariesfrei aufzuwachsen.

Das Risiko wächst jedoch mit folgenden Faktoren

  • Eltern mit unversorgten kariösen Defekten
  • Eltern mit vielen Schmutznischen im Gebiss
  • Eltern mit defektem Zahnersatz

All dies führt dazu, dass mit jedem Kuss, mit jedem abgeleckten Löffel, Schnuller etc. die Mundhöhle des neugeborenen Kindes mit den Bakterien der Eltern infiziert wird.

Wenn Eltern ein gepflegtes, kariesfreies und zahnmedizinisch gut versorgtes Gebiss haben, dann hat das Kind große Chancen, kein Dauerpatient beim Zahnarzt zu werden.

Deswegen hier ein paar Regeln für „werdende und gewordene“ Eltern

  1. Lassen Sie sich vor der Schwangerschaft zahnärztlich versorgen – spätestens   aber während der Schwangerschaft.
  2. Nehmen Sie intensiv an dem Prophylaxeprogramm Ihrer Zahnarztpraxis teil.
  3. Lecken Sie niemals den Löffel des Kindes ab.
  4. Lecken Sie niemals den Schnuller des Kindes ab.
  5. Geben Sie Ihrem Kind niemals gesüßte Getränke in eine Nuckelflasche.
  6. Dauernuckeln an Trinkflaschen vermeiden.
  7. Vermeiden Sie so lange wie möglich Süßigkeiten. (Ein neugeborenes Kind        kennt keinen Zucker!!!)
  8. Putzen Sie schon den ersten Zahn des Kindes.
  9. Gewöhnen Sie Ihr Kind so früh wie möglich an den Zahnarzt (ab fünf Monaten). 10)    Sprechen Sie mit unserem Zahnärzteteam über die Gabe von Fluoridtabletten.

Ernährung

Dazu kann man viel oder auch nur sehr wenig sagen. Grundsätzlich gilt, wenn Sie viel Obst und Gemüse essen und viele Nahrungsmittel, die man kräftig kauen muss, tun Sie schon sehr viel. Kräftiges Kauen fördert die Selbstreinigung der Zähne durch vermehrte Speichelbildung. Wenn Sie Zucker zu sich nehmen, dann möglichst nicht über den ganzen Tag verteilt, sondern konzentriert. (zum Beispiel eine Tafel Schokolade am Stück). Dies schadet wesentlich weniger als die vielen kleinen Zuckerimpulse.

Pflege zu Hause

Verwenden Sie die Mittel, die Ihnen unser Zahnärzte-Team empfiehlt. Grundsätzlich sollten Sie:

  1. Täglich Ihre Zahnzwischenräume mit Zahnseide und/oder Zahnzwischenraumbürsten pflegen.
  2. Täglich evtl. vorhandenen Zahnersatz pflegen (auch unter vorhandenen Brücken säubern)
  3. Benutzen Sie zwei Zahnbürsten – morgens eine andere als abends – damit die Pflege effektiver ist.
  4. Putzen Sie vorsichtig – nicht schrubben!

PARODONTITIS

Parodontose (eigentlich Parodontitis) ist eine Volkskrankheit, die bei jedem dritten Erwachsenen vorliegt. Je älter die Patienten werden, desto mehr tritt diese Erkrankung in Erscheinung. Es ist sogar so, dass die Parodontitis mit zunehmendem Alter heute wesentlich stärker zu Zahnverlusten führt als Karies.

Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates. Sie wird durch Bakterien hervorgerufen. Zunächst besteht meistens über Jahre hinweg nur eine Zahnfleischentzündung, die sich durch gelegentliches Zahnfleischbluten äußert. Diese Zahnfleischentzündung entsteht ausschließlich durch bakterielle Beläge, die bei der Pflege nicht entfernt worden sind.

Aus Sicht der Zahnärzte besteht eine Ursache darin, dass in Deutschland von den meisten Menschen nicht konsequent genug (einmal täglich) Zahnseide oder andere Mittel zu Zahnzwischenraumpflege benutzt werden. Aus diesem Grund bleiben vorrangig in den Zwischenräumen Bakterien liegen, die diese Zahnfleischentzündung durch Giftstoffe hervorrufen und unterhalten.

Im zweiten Schritt können diese Bakterien bei bestehender Zahnfleischentzündung am Zahn nach „unten wandern“ und beginnen, die Fasern aufzulösen, mit denen der Zahn „am Knochen befestigt ist“. In der Folge baut sich auch der den Zahn umgebende Knochen ab.

Zu Beginn verursacht die Parodontitis in der Regel noch keine Probleme. Schmerzen entstehen erst dann, wenn der Prozess so weit fortgeschritten ist, dass das entzündlich veränderte Material nicht mehr abfließen kann. Dann entstehen Abszesse, die Zähne beginnen sich zu lockern. Im Endstadium stecken die Zähne nur noch in entzündlich verändertem Gewebe und nicht mehr im Knochen. Sie müssen dann entfernt werden.

In seltenen Fällen (etwa 10 Prozent aller Erkrankungsfälle) kann eine Parodontitis sehr rasch fortschreiten. Die Ursache liegt dann vor allem in einer besonders aggressiven Bakterienflora (bestimmt durch den Keim Actinobacillus actinomycetem comitans) und/oder einem geschwächten Immunsystem.

Erhöhtes Risiko durch Parodontitis

Neueste zahnmedizinische Untersuchungen haben sehr deutlich gezeigt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen einer Parodontalerkrankung und einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko gibt. Ja sogar die Rate von Fehl- und Frühgeburten ist etwa siebenfach erhöht.

Bei Patienten mit schweren Allgemeinerkrankungen stellen parodontal erkrankte Zähne einen sogenannten „Streuherd“ dar, der dazu geeignet ist, massive Komplikationen auszulösen. Ursache ist das permanente Vorhandensein der Krankheitserreger in der Blutbahn.

Was kann man tun?

Auch bei der Parodontitis haben wir es mit einer bakteriellen Erkrankung zu tun. Parodontitis ohne Bakterien ist nicht möglich. Wenn Zahnärzte also Strategien entwickelt, mittels derer man es schafft, die Bakterienzahlen stark zu reduzieren ist es möglich, eine Parodontitis zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen, beziehungsweise zu stoppen. Eine Heilung im Sinne der vollständigen Regeneration des Zahnhalteapparates ist bei einer bereits ausgebildeten Erkrankung leider noch nicht möglich.

Strategien gegen Parodontitis:

Eigentlich ist es ganz einfach: Eine perfekte Pflege des Gebisses verhindert diese Erkrankung. Dazu gehört die tägliche häusliche, aber auch die regelmäßige professionelle Pflege in unserer Wuppertaler Zahnarztpraxis.

Was ist perfekte Pflege? Zähne putzen allein genügt leider nicht. Dazu gehört wie oben beschrieben auch tägliche Zahnzwischenraumpflege. Hinzu kommen insbesondere bei bestehender Erkrankung regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in Verbindung mit einer Prophylaxesitzung bei Ihrem Zahnarzt.

Wie ist die Ansteckungsgefahr? Sollten Sie an Parodontitis leiden, dann sollte sich auch Ihr Partner daraufhin untersuchen lassen – insbesondere dann, wenn bei Ihnen eine Behandlung geplant ist.

Was raten Zahnärzte bei einer bereits bestehenden Parodontitis?

Die Erkrankung ist behandelbar, muss allerdings lebenslang von Ihrem Zahnarzt überwacht werden. Haben Ihre Zahnärzte die Erkrankung einmal im Griff, können sie diese in den meisten Fällen durch lebenslange Prophylaxe gut „in Schach“ halten.

Im Normalfall genügt eine einmalige Parodontitisbehandlung. Die verschiedenen Behandlungsmethoden hier zu erläutern, würde zu weit führen. Nur so viel: Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Zahnärzte heute auch in sehr weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien eine etablierte Parodontitis behandeln und weitestgehend in den Griff bekommen können. Dies ist zum Teil sehr aufwendig, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Egal welche Therapie notwenig und sinnvoll ist, unser Team der Zahnarztpraxis in Wuppertal wird Sie gerne beraten.

Ein Beispiel:

Sollten einzelne tiefe Taschen (Knocheneinbrüche) vorliegen, sind diese mit Bakterien und deren „Abfallprodukten“ gefüllt. Diese Bakterien können unterschiedlich aggressiv sein. Deshalb ist es in einigen Fällen sinnvoll, vor der eigentlichen Behandlung einen bakteriologischen Test zu machen. Damit erfahren wir etwas über das Spektrum der Keime in den Taschen. Mit diesem Wissen können wir die Behandlung medikamentös absichern und ändern vielleicht unsere Behandlungsmethode, um effektiver zu sein.

Einer konservativen Taschenreinigung kann beispielsweise ein chirurgisches Verfahren mit oder ohne Knochenaufbau nachgeschaltet werden. Welches Verfahren zur Anwendung kommt, hängt vor allem vom Erkrankungszustand, vom Alter des Patienten und von seiner Mitarbeit ab.

Hier noch einige Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Parodontitis zur Sprache kommen und oft verwechselt werden:

Zahnstein: Im Laufe der Zeit durch Kalziumeinlagerung ausgehärtete bakterielle Beläge, die sich ausschließlich oberhalb des Zahnfleisches befinden (vor allem hinter den Unterkieferfrontzähnen).

Konkremente: Im Prinzip ähnlich dem Zahnstein, nur unterhalb des Zahnfleisches fest den Zahnwurzeln anhaftende bakterielle Beläge.

Taschen: Sind Vertiefungen zwischen Zahnwurzel, Knochen und Zahnfleisch, die in der Regel mit Bakterien und deren Abfallprodukten gefüllt sind. Die Bakterien sitzen am Taschenboden und auf den Konkrementen. Je tiefer diese Taschen sind, umso eher führen sie zu Schmerzen und Abszessen.

Zahnfleischrückgang: Er muss nichts mit Parodontitis zu tun haben. Er kann auch auf eine verkehrte Putztechnik zurückzuführen sein. Genauso kann er durch funktionelle Störungen ausgelöst werden, beispielsweise durch Knirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne.

Rezessionen:  Dies sind freiliegende Zahnhälse. Ihr behandelnder Zahnarzt kann sie zum Teil durch kleine chirurgische Eingriffe wieder decken. Auch hier liegt die Ursache häufig in einer verkehrten Putztechnik.

Mundgeruch:   Ursache können die bei einer Parodontitis und oder Karies ablaufenden Fäulnisprozesse sein. Allerdings können auch Magenprobleme die Ursache sein.

Wir hoffen, Ihnen einen kleinen Einblick in die häufigsten Krankheitsbilder der Zahnmedizin gegeben zu haben. Vielleicht konnten wir auch ein paar Fragen beantworten. Wichtig war uns, Ihnen zu zeigen, dass man heute viel dafür tun kann, Zähne gesund und schön zu erhalten. Alle weiteren auftretenden Fragen sollten wir zusammen besprechen.